Hier sehen Sie eine graphische Übersicht der Bausteine einer Ausbildung zum/zur Psychologischen PsychotherapeutIn bei der VTFAW:

*Theoretische Ausbildung

Die theoretische Ausbildung umfasst 600 Stunden, die innerhalb der ersten beiden Ausbildungsjahre zum größten Teil abgeschlossen werden. Die theoretische Ausbildung, aufgeteilt in Vorlesungen, Seminare und Übungen, finden in der Regel freitags nachmittags sowie samstags ganztags statt und ausnahmsweise auch mal an anderen Tagen. In den Seminaren werden Lerninhalte interaktiv vermittelt, teils unter Einbeziehung von Lehrvideos und Patienten. In den Übungseinheiten arbeiten Sie zum Teil in Kleingruppen, um die Lerninhalte zu vertiefen. Psychologen erwerben im Rahmen ihrer Universitätsausbildung ein fundiertes Wissen über die Grundlagen menschlichen Verhaltens. Unsere Ausbildung zum/zur Psychologischen PsychotherapeutIn will auf diesem Wissen aufbauen und alle Wissensinhalte vertiefen, die für eine  angewandte Veränderung menschlichen Verhaltens notwendig sind. Insbesondere gilt es, die teilweise als „Wissensinseln“ vorhandene Kenntnisse zu einem neuen Denksystem zu verbinden, welches dann komplexes verhaltenstherapeutisches Handeln ermöglicht. Hierfür müssen vorhandene Kenntnisse aufgefrischt werden, durch praxisrelevante Informationen ergänzt und Handlungsstrategien eingeübt werden. Gerade die Umsetzung der theoretischen Kenntnisse in praktisches Handlungswissen erweist sich als anspruchsvoller Lernschritt. Hier ist es hilfreich, dem Lernenden zunächst Modelle des erwünschten Verhaltens zu geben und dann dieses neue Verhalten schrittweise einzuüben, um es dann im letzten Schritt im Rahmen der Ausbildungstherapien einzusetzen und in der Supervision hinsichtlich der korrekten Durchführung und Wirksamkeit zu überprüfen. Diese Grundkenntnisse werden unter Zuhilfenahme des bereits universitär erworbenen Wissens im ersten Teil der Ausbildung vertieft. Schwergewicht wird hierbei
insbesondere auf die Grundlagen und Anwendungen der Lerntheorie für die Entstehung, Auslösung und Aufrechterhaltung der Störungen sowie die Therapieplanung gelegt. Hierzu werden einige Seminare angeboten, welche lerntheoretische Kenntnisse und Fallkonzeption zum Inhalt haben. Vertieft wird dieser Ausbildungsbaustein durch Praxisbegleitseminare, in denen die Erfahrungen aus der ersten therapeutischen Tätigkeit in neues Wissen zur Fallkonzeption umgewandelt werden sollen. Sobald die Ausbildungsteilnehmer mit der therapeutischen Ambulanztätigkeit begonnen haben, nehmen sie an Fallseminaren teil, in denen sie eigene Fälle aus der Therapiearbeit ausführlich vorstellen. In gemeinsamen Diskussionen mit allen Seminarteilnehmern können die Fallkonzeption prüfungsreif verbessert und theoretische Kenntnisse somit durch Praxiswissen ergänzt werden. Unser Curriculum ist so angelegt, dass o.g. Überlegungen Rechnung getragen wird. Da Psychologen physiologische und medizinische Kenntnisse in Abhängigkeit der jeweiligen
Universität auf einem sehr unterschiedliches Kenntnisniveau mitbringen, liegt ein Schwerpunkt im ersten Abschnitt der Ausbildung auf somatischen Themen. Hier werden Informationen zur Morphologie und Funktion des Gehirns und Veränderungen bei Vorliegen psychischer Störungen gegeben, Psychophysiologie und Grundlagen somatischer Therapie sowie Psychopharmakotherapie angeboten. Vertieft werden diese Grundlagenseminare durch Veranstaltungen zu verschiedenen psychosomatischen Störungen, in denen neben speziellen psychophysiologischen Regelmechanismen der jeweiligen Störungen die störungsspezifischen Behandlungsstrategien erläutert und eingeübt werden.  Das Curriculum bietet ferner eine breit gefächerte Ausbildung an verhaltenstherapeutischen Methoden und Standardverfahren zur Behandlung der häufigsten psychischen Störungen. Hier wird vorausgesetzt, dass die Ausbildungsteilnehmer auf fundiertes universitäres Grundlagenwissen zurückgreifen können, um so vertiefte Kenntnisse im Rahmen der Seminare aufbauen zu können.
Im weiteren Ausbildungsverlauf werden neue Strömungen in der Verhaltenstherapie berücksichtigt. So sind mit der Dritten Welle der Verhaltenstherapieentwicklung neue Behandlungsstrategien entstanden, die einerseits Wissen aus anderen Psychotherapieverfahren integrieren und andererseits Emotionen in den Behandlungsfokus rücken. Unser Curriculum erhebt nicht den Anspruch, eine vollständige Ausbildung in diesen Verfahren zu gewähren, sondern soll den Ausbildungsteilnehmern erste Erfahrungen mit diesen neuen Verfahren ermöglichen und so die Grundlage für Ausrichtung der Weiterbildung nach Abschluss der Approbation bahnen. In diesem Ausbildungsabschnitt wird unter anderem Einblick in die Schematherapie (Young), EMDR (Shapiro, Psychodrama, DBT (Linehan), emotionsfokussierte Therapie (Lammers) und gegeben.

Hier ein zusammenfassender Überblick über die Lerninhalte:

  • Grundlagen der Lerntheorie und Verhaltenstherapie
  • Verhaltenstherapeutische Modellentwicklung und Vorgehen
  • Psychotherapieforschung und Evaluation
  • Biophysiologische Grundlagen, Gehirn- und Verhaltensregulation, Psychopharmaka- und Somatotherapie
  • Allgemeine und spezielle Neurosen- und Persönlichkeitslehre
  • Psychodynamische Theorie
  • Psychotherapeutisches Vorgehen in der Verhaltenstherapie im Einzel- und Gruppensetting
  • Vorgehen bei spezifischen psychiatrischen Störungen im Einzel- und Gruppensetting
  • Allgemeine und spezielle Psychosomatik (Gynäkologie, Karzinome, Herz-Kreislauf, Schmerz, Haut, Atemwege, Immunsystem, ADS, Tinnitus, Adipositas, somatoforme Störungen)
  • Spezielle Verfahren in der Verhaltenstherapie wie Biofeedback, Schematherapie, körperorientierte Verfahren und EMDR
  • Praxisbegleit- und Fallseminare

*Selbsterfahrung

Die Selbsterfahrung ist ein zentrales Element in der Therapieausbildung. Eigene Verhaltensweisen, Defizite und emotional sensible Themen können im therapeutischen Prozess mit dem Patienten Beziehungskonflikte, aber auch schwierige therapeutische Prozesse begünstigen. Therapeuten sollten diese Themen kennen und bearbeiten, damit sie flexibler und damit adäquater reagieren und so den therapeutischen Prozess verbessern können.
Hier können Sie die Methoden anwenden, die Sie im Curriculum kennengelernt haben. So vertiefen Sie Ihre Anwendungskompetenzen und erhalten tiefere Einsichten in deren Wirkweise.

In der Selbsterfahrung reflektieren Sie Ihre eigene Biografie und Herkunftsfamilie und stellen Verbindungen zu Ihrem heutigen Leben und Arbeiten her. Sie bauen imaginative Kompetenzen aus, bearbeiten eigene kognitive Oberpläne sowie das Rollenverhalten. Anleiter und Teilnehmer wählen die Inhalte gemeinsam aus und natürlich können auch jederzeit aktuelle Themen berücksichtigt werden. Das Ausbildungscurriculum sieht insgesamt 120 Stunden Gruppenselbsterfahrung vor, die Sie teils in Kleingruppen und teils in der Großgruppe absolvieren.

*Praktische Tätigkeit

Durch die Praktische Tätigkeit erwerben Sie diagnostische und praktische Kompetenzen im Bereich der Psychiatrie und Psychotherapie. Über eine Mindestdauer von einem Jahr absolvieren Sie mindestens 1.200 Stunden in einer Einrichtung der klinischen psychiatrischen Versorgung. Zusätzlich sind 600 Stunden über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten in einer Einrichtung der psychotherapeutischen psychosomatischen Versorgung vorgeschrieben. Sie können die gesamte Praktische Tätigkeit aber auch in einer Einrichtung absolvieren, sofern diese für beide Abschnitte zugelassen ist oder auch in verschiedenen, wobei jeweils Abschnitte von mindestens drei Monaten am Stück stattfinden müssen.
Für die Praktische Tätigkeit arbeiten wir mit vielen Kooperationspartnern zusammen. Sobald Sie einen Ausbildungsvertrag mit der VTFAW geschlossen haben, erhalten Sie die Liste der Kooperationspartner, die wir beständig erweitern, und können sich dann bei der gewünschten Einrichtung bewerben.

*Praktische Ausbildung und Supervision

Eigene Therapien unter Supervision sind das Kernelement der Ausbildung: Hier lernen Sie, verantwortungsvolle, angemessene und erfolgreiche Therapien durchzuführen. Wir legen großen Wert darauf, in der Supervision gemeinsam Ihre theoretischen Kenntnisse mit praktischem Handlungswissen zu verknüpfen.

In der Praktischen Ausbildung unterstützt die Ambulanzleiterin die Ausbildungskandidaten vor Ort in der Ausbildungsambulanz. Sie führt die notwendigen Vorgespräche mit Patienten und weist diese an den jeweiligen Ausbildungstherapeuten zu.
Das Curriculum sieht 600 Ausbildungstherapiestunden vor, die Sie in der Ausbildungsambulanz der VTFAW ableisten. Beginnen können Sie, sobald Sie nach frühestens 15 Monaten Ausbildungsdauer die Zwischenprüfung bestanden haben. Sie übernehmen Patienten in die psychotherapeutische Behandlung, die die Ambulanzleiterin in einem diagnostischen Gespräch als geeignet eingestuft und aufgeklärt hat und die sich mit der Behandlung durch Ausbildungskandidaten einverstanden erklärt haben. Je nach Diagnose und erwartetem Schwierigkeitsgrad weist die Ambulanzleiterin die Patienten den Ausbildungskandidaten zu. Dabei achtet sie darauf, dass die Kandidaten ihrem Wissensstand entsprechend gefordert werden und möglichst viele unterschiedliche Störungsbilder behandeln.


Begleitend zu Ihren Ausbildungstherapien erhalten Sie entsprechend einem speziell entwickelten Curriculum Einzel- und Gruppensupervisionen bei erfahrenen Supervisoren. Hierbei erhalten Sie wichtige Unterstützung und kompetente Beratung: Mittels speziell strukturierter Fallvorstellungen, der Analyse von Videosequenzen und der gezielten Mischung aus Einzel- und Gruppensupervision unterstützen wir Sie gerade zu Beginn gezielt dabei, die Behandlung angemessen zu planen und gut strukturierte Berichte zu erstellen, um bei einem Gutachter der Krankenkassen die Therapie zu beantragen. Die Supervisoren sind dabei eng untereinander und mit dem Ausbildungsinstitut vernetzt. Bei mindestens 3 zugelassenen Supervisoren absolvieren Sie insgesamt 100 Stunden Gruppensupervision in der Kleingruppe und 50 Stunden Einzelsupervision. Unser Ziel ist es, Sie durch kontinuierliche Begleitung optimal auf Ihre spätere Behandlungspraxis vorzubereiten.

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